Maike Lindemann
Singer, Vocal Artist, Songwriter

Sprache Formt Denken

Gendern

Ich bin eine Gendernde. Meistens. Am liebsten da, wo es wehtut und vor allem auffällt. Und aufstößt. Manchmal scheint es fast, als fühlte sich das Gendern in Schrift und gesprochenem Wort für einige so an, als würde man sie laut anrülpsen. Hups. Sorry. Ich habe einfach zuviel heiße Luft geschluckt in den letzten Jahren, das muss jetzt mal irgendwo hin. Und warum nicht in ein */_in. Ist doch zumindest mal ein Anfang und auch deutlich schmerzfreier als eine Frauenquote. Ist doch nur Sprache. Nur Sprache. Hm.

Was mich in aktuellen Diskussionen am meisten irritiert, ist die Einfältigkeit und Engstirnigkeit, mit der an bestehenden Dingen festgehalten werden soll. Vielleicht muss man sich zu Beginn aller Gender*Sternchen*Frauenquoten-Diskussionen erstmal mit der Frage der Motivation befassen: Worum geht es eigentlich? (übrigens meine Lieblingsfrage) Für mich ist es im Grunde ganz simpel. Ich gendere, weil ich meine Wahrnehmung verändern will und mir mit der Sprache eine*n Wegbereiter*in (hups) suche. Ich stelle dabei regelmäßig fest, in was für engen Denkmustern ich selbst oft noch stecke und wie sich Wort für Wort mein Horizont weitet und mein Weltbild öffnet. Sprache formt Denken, formt Handeln. Wenn nun aber grundsätzlich der Status Quo und eben nicht nur die Sprache als konservierungswürdig betrachtet wird, wenn an der Notwendigkeit einer Veränderung in Bezug auf Chancengleichheit gezweifelt wird, dann ist das doch die Diskussion, die wir führen müssen. Nicht ob ein */_in die Sprache versaut.

Übrigens. Mein Freundeskreis (ha!) ist ziemlich gemischt, was das Gendern betrifft. Einige tun es, andere nicht. Einige sind vegan, andere nicht. Einige sind Ärztinnen, sprechen von sich selbst aber als Arzt und sind zugleich insgesamt emanzipierter in ihrem Wesen als so ziemlich alle, die ich kenne. Recht haben wir alle nicht und alle doch.

Aber ein kleines Bäuerchen nach dem Essen spricht doch einfach für eine gesunde Verdauung.

Formulierungshilfen: https://www.uni-muenster.de/Gleichstellung/geschlechtergerechtesprache.html